Business-Coaching and more

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00:00:04: Sprecher 1 Willkommen beim Podcast Business Coaching and More von Dr. Christopher Rauern und Andreas Steinhübel. Informationen und Inspiration für Coachingprofis und alle, die es werden wollen.

00:00:18: Sprecher 2 Mein Name ist Christopher Raun.

00:00:20: Sprecher 3 Und mein Name ist Andreas Steinbügel. Wir arbeiten beide seit über 25 Jahren als Business Coaches und sind ursprünglich Diplom Psychologen.

00:00:28: Sprecher 2 Und mit diesem Podcast wollen wir unsere Erfahrungen rund um das Thema Coaching teilen und auch ein bisschen über den Tellerrand hinausschauen.

00:00:36: Sprecher 3 Und heute? Nehmen wir uns ein ernsteres Thema vor. Trauer im Coaching.

00:00:42: Sprecher 3 Trauer ist ein Prozess, der immer wieder natürlich uns Menschen begegnet. Trauer um die verschiedenen Dinge, die wir nicht mehr haben, Trauer um Menschen, und natürlich kommen wir auch an dem Thema Tod und Abschied hier in dieser Folge vorbei, das heißt, ganz bewusst greifen wir mal ein ernstes Thema auf, auch ernste Themen, natürlich in Coaching Prozessen eine Relevanz haben und uns begegnen.

00:01:08: Sprecher 3 Wie sind das Christopher, hast du ne Erinnerung, vielleicht an einen Coaching Prozess, wenn wir erst mal so praxisorientiert einsteigen wo du sagst Ah, da spielte Trauer im Weizensinne ne Rolle.

00:01:22: Sprecher 2 Ja, ich hab tatsächlich mehrere Prozesse schon machen dürfen mit Klienten, die nicht direkt wegen der Trauer ins Coaching gekommen sind. Aber wo die Trauer ne sehr, sehr wichtige Rolle gespielt hat. Ich hab tatsächlich schon mehrere Klienten begleitet.

00:01:36: Sprecher 2 Die nahe Angehörige verloren haben. 2 meiner männlichen Klienten haben tatsächlich auch ihre Ehefrau verloren, beides Male durch ne schwere Krankheit.

00:01:46: Sprecher 2 Noch relativ jung und beide hatten auch das Thema, dass die dann verwittert waren mit Kindern. Und das ist natürlich dann doppelt schwierig, weil zum einen muss man selber natürlich in die Bewältigung irgendwie reingehen und es schaffen und zum anderen.

00:02:01: Sprecher 2 Muss man natürlich auch seinen Kindern bei helfen. Mit der Bewältigung dieser ja im Grunde genommen fast schon kaum erträglichen Situationen irgendwie klarzukommen. Und das spielt natürlich immer auch in das Berufsleben mit rein. Also diese Trennung von Berufs und Privatleben, die funktioniert da in der Regel nur sehr bedingt.

00:02:20: Sprecher 2 Bringt es geht ja immer dann um den ganzen Menschen, der da natürlich trauert. Das kann man nicht zu 100% ausblenden, weil man sagt, ich mach jetzt eine Rolle oder ich fülle jetzt eine Rolle aus, man kann das versuchen, man kann auch versuchen, das Wegzudrücken, es wird in der Regel nicht auf Dauer funktionieren, das ist zumindest meine Erfahrung, und ich bin froh, wenn die Klienten die Innere Reife haben, möchte ich wirklich sagen, dieses Thema dann auch.

00:02:46: Sprecher 2 Auch im Coaching sichtbar zu machen und auch das Vertrauen dann in mich haben, das in den Prozess halt einzubringen, dass man daran arbeiten kann, das sind dann häufig sehr bewegende Momente und sehr tiefgehende Momente.

00:03:01: Sprecher 2 Momente, wo auch manchmal gar nicht so viel gesprochen werden muss, wo man aber als Coach, glaube ich, sehr, sehr wichtig ist. Und das sind so meine Erfahrungen, zumindest bisher geht dir das ähnlich.

00:03:13: Sprecher 3 Ja, also tatsächlich habe ich erst mal das nicht erlebt. Ich fange mal damit an, dass jemand wegen der Trauer ins Coaching kommt, das ist, glaube ich, eher.

00:03:22: Sprecher 3 Hat, wo sich Trauer zeigt, bei bestehenden Klientinnen und Klienten. Ich hab gerade 2 aktuelle Coaching Fälle die ich begleite, wo einmal jemand mit der Frage beschäftigt ist, der Trauer sozusagen um seine Frau, die zwar noch lebendig ist, also noch lebt, aber wirklich eine Schwere, in dem Fall eine schwere Krebserkrankung hat und in dem Fall auch dem dem Tode geweiht.

00:03:52: Sprecher 3 Ist bleib mal kurz bei dem Fall und will einmal so beschreiben und ich bleib mal bei mir erstmal was hilft mir als Coach in so einer Situation?

00:04:03: Sprecher 3 Du hast das gerade auch schon angesprochen, also erstmal den Raum zu gewähren und den Raum zu halten, dass das, was erstmal unaussprechlich ist, nämlich Abschied, Verlust und auch.

00:04:17: Sprecher 3 Ja, Dinge, die, die wir alle in unserer ach so funktionalen technischen Welt so, so gerne ausblenden da.

00:04:25: Sprecher 3 Ist man n Raum für zu haben und manchmal auch da zu sein, manchmal auch traurig zu sein, manchmal vielleicht auch zu weinen und nicht sofort in sowas lösungsorientiertes reinzugehen, was wir als Coaches ja sonst sehr gewohnt sind. Was ist die Lösung, was ist der nächste Schritt, was sind Ziele, sondern all das hat für mich da keinen Platz, sondern.

00:04:45: Sprecher 3 So, mein inneres Bild ist ich mach n Raum auf für etwas um etwas Besprechbar zu machen oder vielleicht auch um etwas zu schweigen und daraus erstmal auch wieder Gedanken zu sortieren, Gefühle zu sortieren und eben ganz Wurst nicht sofort in den nächsten Schritt zu gehen. Und was tun sie jetzt damit Punkt, Punkt, Punkt, sondern es auch sein und es ist für mich auch anstrengend auch.

00:05:11: Sprecher 3 Weil n Teil der Trauer, die mein Klient, meine Klientin hat, spüre ich auch. Also ich bin kein abstraktes Wesen und sag Mhm und ich sehe, sie sind traurig, sondern ein Teil von mir ist auch mit traurig, ich geh dann wirklich auch in die Resonanz in einer Art und Weise, dass es noch hilfreich ist für mein Gegenüber, aber es ist eben durchaus, was auch bei der eigenen Traurigkeit, bei der eigenen Trauer zumindestens als Gast für Moment vorbei.

00:05:38: Sprecher 3 Bekommen.

00:05:39: Sprecher 2 Ja, du hast einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Mitfühlen, aber nicht mitleiden ist für mich so immer die Überschrift, um die es dann geht, also schon dabei zu sein, präsent zu sein, auch Mitzuschwingen, auch mitzuführen, aber bei dem Leiden, das gehört den Klienten, das sollten wir nicht, ich glaube, dann werden wir auch nicht mehr gut.

00:06:01: Sprecher 2 Ich da muss man ne innere Grenze glaub ich auch ziehen, zumindest halt ich das für professionell, auch wenn sie vielleicht nicht immer um professionelle Dinge geht, sondern auch um höchst menschliche Werte. Aber auch da gilt es für mich das Gleiche.

00:06:16: Sprecher 2 Niemandem ist geholfen, wenn ich zu den Klienten in die Grube Springe, zu sehr in die Distanz zu gehen, funktioniert aber natürlich logischerweise auch.

00:06:24: Sprecher 2 Wobei es hier funktionieren wahrscheinlich auch die falsche Vokabel dafür ist. Aber ich glaube, was ich damit ausdrucken will, ist deutlich geworden. Also mitfühlen ja mit Leiden nein, präsent sein.

00:06:36: Sprecher 2 Den Menschen die Möglichkeit geben, das auszudrücken, was häufig halt auch runtergeschluckt wird. Was nicht gezeigt wird, erlebe ich da als sehr, sehr hilfreich und sehr befreiend für die Klienten, dass die mal jemanden haben, vor dem sie auch.

00:06:51: Sprecher 2 Zugeben dürfen, wie es in ihrem inneren Halt aussieht und gleichzeitig sie auch verstehen, wie diese Trauer mit ihnen etwas macht und wie sie damit umgehen. Also man ist ja nicht nur traurig.

00:07:06: Sprecher 2 Sondern in der Trauer gibt es solche Phasen wie Verleugnung wie Wut, wie Inneres Ausverhandeln, warum Fragen wie ja nahezu schon depressiven Phasen, die damit verbunden sind, bis hin hoffentlich zum Schluss der Akzeptanz, wenngleich manche dort nie ankommen. Auch da muss man sich, glaube ich, wenig Illusionen machen, die dann auch lange Haare, vielleicht sogar für.

00:07:29: Sprecher 2 Immer und in diesem Vision, warum fragen dann halt stecken bleiben, da kann manchmal ein Coaching vielleicht einen kleinen Teil zu beitragen, das ist ein bisschen besser wird, wir sind natürlich keine Trauerbegleiter, das muss man ganz klar dazu sagen, aber wenn so ein Thema aufkommt im Coaching, dann drücke ich das zumindest nicht weg, sondern ich versuche, dem sehr viel Raum zu geben, weil ich genau weiß, hier findet gerade was ganz Wertvolles statt, hier öffnet sich nämlich ein Klient mit seiner Verletzlichkeit, das ist für mich.

00:08:01: Sprecher 2 Ein sehr, sehr positives Zeichen, dass die Beziehungsebene stimmt, weil das macht man nicht mit jedem Menschen, das macht man nicht bei jedem Menschen.

00:08:08: Sprecher 2 Entsprechend gilt es, sehr wertschätzend mit dieser Situation und mit den Menschen dann umzugehen.

00:08:12: Sprecher 3 Ja, ich glaub du hast das ganz ganz passend beschrieben was hilft und es bleibt natürlich ne professionelle Begegnung, aber vielleicht n anderer Rahmen an an der Stelle und ich hab gerade gedacht bei Trauer ist man vielleicht schnell in so ner Assoziationskette Verlust Abschied tot. Ich mach mal bewusst ein anderes Beispiel, auch das würde ich als Trauerprozess im Coaching beschreiben, ich hab den Klienten der dem im Coaching selbst auch deutlich geworden ist.

00:08:43: Sprecher 3 Dass die Ziele beruflich, die er sich vorgenommen hat.

00:08:46: Sprecher 3 Einfach unrealistisch zu erreichen sind der hatte sich n gedankenschloss aufgebaut hat sich in einer bestimmten Position gesehen und der hat wirklich getrauert um das Bild was er von sich hatte und um das Bild was er von seinem Leben hatte ganz ähnliche Prozesse die wir eben in anderen trauerprozessen auch haben dass das Rad noch mal beschrieben in den einzelfaden.

00:09:08: Sprecher 3 Rasen und auch da ging es natürlich nicht nur um ne Rationalisierung, sondern auch um ne emotionale Verarbeitung. Also wie gehe ich denn damit um, da haben wir Gefühle wie Schuld, da haben wir Gefühle wie Unsicherheit auch dieses Thema.

00:09:23: Sprecher 3 Ich bin mit diesem Thema ganz allein. Ich fühl mich vielleicht auch einsam und vielleicht manchmal auch von der Welt im Stich gelassen. Also ich glaube, der erste Schritt ist ganz wichtig, es darf sein, Trauer ist n Teil unserer menschlichen Existenz.

00:09:38: Sprecher 3 Es erinnert uns natürlich auch an Begrenztheit, an Endlichkeit, Begrenztheit von Lebensplänen, Endlichkeit von Leben. Und wir sind eben sehr stark dann auch gebeten und gefragt, also gebeten von der Situation, was hilft uns jetzt auch, also was sind aktuelle Unterstützungssysteme, die mir als Klienten und als Klienten helfen können, das können teilweise sehr nahestehende Menschen sein, also.

00:10:08: Sprecher 3 Fernab des Coaches. Ich gucke immer sehr danach, wenn jemand in tiefen Trauerprozess ist. Wen können Sie auch mal nachts aktivieren?

00:10:17: Sprecher 3 Vielleicht gibt es nen guten Freund, ne gute Freundin, der sie nachts einfach ne SMS schreiben können oder andere Kommunikationsformen die niedrigschwellig sind, damit ich möglichst mit meiner Trauer nicht allein sein muss, wenn ich die alleine nicht halten kann. Also was sind naheliegende Unterstützungssysteme, da können wir als Coaches natürlich situative Unterstützungssysteme leisten, aber ich gucke immer ganz kurz, was ist ein ergänzendes System, was was ein Client sich auch aufgebaut hat oder vielleicht auch noch.

00:10:50: Sprecher 3 Aufbaut in dieser Situation.

00:10:52: Sprecher 2 Ja. Zentral dabei ist für mich dann immer die emotionale Verarbeitung und das kann natürlich dann auch helfen, mit anderen darüber zu reden, um es eben emotional zu verarbeiten. Das heißt, seine eigenen Gefühle, die Gefühle von Schmerz, von Wut, von Angst, von Einsamkeit, von vielleicht auch Schuld noch mal wirklich sich präsent zu machen in einem geschützten Rahmen, den das Coaching Halt bieten kann, um damit eben die Chance zu haben, okay, ich drücke das jetzt nicht weg, weil wir wissen alle, was passiert, wenn man Gefühle zu lange wegdrückt.

00:11:25: Sprecher 2 Man fühlt die dann nicht mehr. Das geht auch eine gewisse Zeit lang gut, aber irgendwann kommt das zum unpassendsten Zeitpunkt dummerweise wieder, deswegen bin ich immer ein Freund davon, das rechtzeitig zu verarbeiten, zum einen, weil es einfach meistens angemessen ist und zum zweiten.

00:11:40: Sprecher 2 Und damit auch ein bisschen Selbstfürsorge betreibt und damit sicherstellt, dass es nicht später umso schlimmer und in doppelter Stärke halt zurückkommt.

00:11:49: Sprecher 2 Das heißt, für mich ist das A und o, da wirklich die emotionale Verarbeitung und dem Halt Raum zu geben und nicht jetzt kommen Sie bitte mal wieder in ihre Führungsrolle zurück und lassen mal dieses Dauerthema beiseite. Das ist meistens eher ein Ausdruck dafür, dass die Coaches selber in dem Bereich zu wenig Selbsterfahrung Halt haben und ihnen dieses Thema unangenehm ist und sie gerne darüber hinweggehen wollen, was dann häufig auch bereitwillig von den Klienten aufgenommen wird, wenn die mal so eine Tür aufmachen und der Coach macht die dann ganz schnell wieder zu, weil das selbst vielleicht nicht mag.

00:12:23: Sprecher 2 Legt, dann wird es seltenst passieren, dass Klienten da insistieren und sagen, ich möchte aber trotzdem über dieses Thema reden. Das ist dann aus meiner Sicht eine vertane Chance. Man sollte sich da halt klarmachen, ja, das ist eine anspruchsvolle Situation, aber sie ist, wie du auch gerade richtig gesagt hast, Bewältigbar, es gibt Unterstützung, es gibt unterstützungssysteme, es gibt Bewältigungsstrategien.

00:12:46: Sprecher 2 Ihn, wie man mit Trauer umgehen kann, das ist nichts von der Stange. Das ist sehr individuell. Ich möchte trotzdem mal so n paar Punkte halt aufzählen, die sich aus der Praxis heraus als sehr hilfreich erwiesen haben. Die einfachste Übung, die man machen kann und auch die pragmatischste Übung ist sicherlich atemübung, egal ob man beklemmungsgefühle hat oder ob man vielleicht auch Schwindelgefühle hat in solchen hochemotionalen Phasen atmen hilft und Atemübungen kann man problemlos in den Alltag integrieren, klingt jetzt vielleicht banal, kann aber wirklich eine ganz wesentliche Unterstützung sein.

00:13:25: Sprecher 2 Wenn man es mag, auch gerne Meditation, andere kreative Tätigkeiten, um mit solchen Sachen auszugehen, manchmal auch ablenken. Auch das ist OK im Sinne der Bewältigung und was ich persönlich auch sehr mag und sich auch einige Klienten wie gesagt hatte, denen das geholfen hat, das war das Thema Tagebuch zu führen, also wirklich nochmal auch ein Trauertagebuch zu führen, wenn man sonst keine Zeit hat und die Gefühle, die hochgekommen sind, nochmal aufzuschreiben, weil dadurch kommen sie auch raus.

00:13:57: Sprecher 2 Und bleiben dann eben nicht zu stark in uns. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt.

00:14:02: Sprecher 2 Diesen Dingen Raum zu geben, auch wenn man sich vielleicht gar nicht so sehr gerne damit auseinandersetzen möchte. Aber es ist dann letzten Endes schon besser, das zu tun, weil wie gesagt, wenn man es nicht macht, dann kommt es meistens an einer sehr unpassenden Stelle wieder raus.

00:14:18: Sprecher 3 Es kann auch sehr helfen, das Thema oder auch die Gefühle in irgendeiner Form zu vergegenständlichen. Du hast jetzt gerade das Schreiben angesprochen, das kann auch sein, dass wir uns ein Gegenstand nehmen und vielleicht ein Gegenstand, den wir verbinden mit mit einer Person. Bleiben wir mal bei der Trauerlogik von Verlust einer Person.

00:14:39: Sprecher 3 Und diesen Gegenstand eben auch zu würdigen. Vielleicht ein Platz für diesen Gegenstand auch zu finden, weil alles, was wir vergegenständlichen können, dem können wir einen Platz geben, und es erwischt uns sozusagen nicht kalt von hinten.

00:14:54: Sprecher 3 Sondern wir können Raum geben und nen zeitlichen Raum. Auch das find ich auch n ganz wichtigen Hinweis.

00:15:01: Sprecher 3 Wann ist Zeit für Trauer? Wann ist Zeit für Traurigkeit, wann es aber auch Zeit bewusst wieder für Funktionalität, weil das kann auch sehr hilfreich sein, beides miteinander zu kombinieren, das ist nicht Zynismus, sondern manchmal hilft es auch für eine begrenzte Zeit ganz bewusst zu trauern, um dann auch wieder sich dem Leben im wahrsten des Wortes zuzuwenden, auch sich selbst wieder zuzuwenden, und wir haben das in einer anderen Podcast Folge auch schon mal besprochen, im anderen Zusammenhang das Thema.

00:15:31: Sprecher 3 Rituale wie hilfreich können Rituale?

00:15:34: Sprecher 3 Sein und nicht umsonst haben wir natürlich zumindest in im westlichen Kulturkreis das Ritual der Beerdigung des gemeinsamen Würdigens und dann auch den Abschied zu nehmen. Und wer schon mal auf einer Beerdigung war, kann sie vielleicht auch erinnern. Danach fällt auch einiges wieder voneinander ab und das kann kann eben auch noch mal sehr hilfreich sein und gleichzeitig auch zu gucken, und das finde ich, finde ich auch ein ganz wichtiger.

00:16:03: Sprecher 3 Den Punkt, an welcher Frage komme ich noch mal neu vorbei, weil ich jetzt die Chance der Trauer hab und ich sag bewusst die Chance der Trauer, weil wir da ja oft im Alltag nicht hingucken. Also welche Frage stelle ich mir mit Bezug auf mein eigenes Leben, was will ich, vielleicht aber auch der Person nochmal sagen, die nicht mehr real existiert? Das mag für einige vielleicht ungewöhnlich klingen, manchen Klienten hilft es.

00:16:29: Sprecher 3 Manche nicht. Auch da gilt Christovers du auch gerade ausgeführt hast. Jeder muss seinen Weg finden, wir können nur Inspiration hier geben oder wollen nur Inspiration geben, also auch zu gucken, was möchte ich dir noch mit auf den Weg geben, was möchte ich dir sagen um mich dann auch gut verabschieden zu können, weil auch das Thema loslassen ist ein wichtiger Teil von Trauer, sonst bleiben wir irgendwann in der Dauer trauerschleife hängen und vergessen, dass das Leben jetzt weitergeht.

00:16:57: Sprecher 3 Und da eben auch ja auf sich selbst wieder 8 zu geben.

00:17:01: Sprecher 2 Ein wichtiger Punkt. Das Leben geht weiter und das heißt aber nicht, dass man einfach nicht mehr hinschaut, sondern sich wirklich damit auseinandersetzt, mit dem, was gewesen ist, damit es dann eben weitergehen kann und man nicht diesen Bremsklotz, diesen Mühlstein, diese Belastung, was immer da an Erinnerungen meistens mit dabei ist, mit sich zumindest in der vollen Härte, in der vollen Stärke, im vollen Gewicht mit Sicherung tragen muss. Und deswegen kann ich immer nur dafür plädieren, ja, Trauer muss man auch in Zeit muss man Zeit geben.

00:17:31: Sprecher 2 Da wächst das Gras nicht schneller, wenn man dran zieht. Da hat jeder so seine eigene Geschwindigkeit. Man kann aber auch aus allem einen Kult machen, das muss man auf der anderen Seite halt auch sehen, also nicht zu schnell über die Dinge hinweggehen.

00:17:45: Sprecher 2 Sie aber auch nicht unnötig in die Länge ziehen. Das ist das, was ich halt auch manchmal erlebt habe, dass dann so quasi ein ein Kult um eine Person herum aufgebaut wird, wo man sagen muss, na ja, da wird vielleicht auch eine Sache über.

00:18:00: Sprecher 2 Erhöht. Das kann man menschlich total gut verstehen, auch das kann aber ein Hinderungsgrund sein, in die Welt zu schauen, nach vorne zu schauen und sich wieder dem Leben zu widmen und auch den Lebenden zu widmen. Ich sagte ja gerade schon, dass bei den Klienten, wo ich es erlebt habe, da auch Kinder mit im Spielwaren, auch, die müssen ja einen Weg finden, da geht es ja nicht nur um die Klienten und für.

00:18:22: Sprecher 2 Sondern eben auch in das Klientensystem. Und da würde ich die Kinder definitiv mit dazu zählen, die müssen ja auch einen Weg finden, für die ist es ja häufig noch viel belastender als für den Ehepartner, wenn jemand dann nicht mehr da ist. Und das darf man eben nicht vergessen.

00:18:36: Sprecher 2 In allem dem Gedanken, die man den Toten dann halt zurecht widmet, die Lebenden dabei aber auch nicht zu vernachlässigen und die Halt auch zu sehen. Und wir brauchen halt beides, die Auseinandersetzung aber auch nicht die totale Auseinandersetzung des Leben um uns herum, geht letzten Endes dann ein Stück weit.

00:18:56: Sprecher 2 Weiter, und das kann auch ne große Entlastung sein, dass man sich mit dem Leben und auch mit seiner Arbeit dann auseinandersetzen muss, wenn vielleicht die Trauer besonders stark ist. Also so hab ich es zumindest auch erlebt, dass gerade da, wo Trauer nahezu.

00:19:12: Sprecher 2 Übermächtig wird Arbeit auch etwas ist, was halt gibt, was stabilisiert.

00:19:18: Sprecher 2 Was auch manchmal Sinn gibt und ja, dem Leben schlicht und ergreifend Ordnung und eben diese Routinen, die Halt so wichtig sind wie auch die Rituale, die es dann braucht, um für die Dinge auch n guten Abschluss zu finden. Es hat ja n Grund, warum wir in unserem ganzen Leben immer Rituale haben, Einführungsrituale, Durchführungsrituale und Beendigungsrituale, das sind ja normale Dinge in unserem Leben.

00:19:45: Sprecher 2 Das hängt halt in der Schule an. Ja, man hat den ersten Schultag, man muss sich an die Rituale in der Schule halt gewöhnen, man hat irgendwann den letzten Schultag und das ist auch ein besonderer Tag, und dann ist das ist dieser Abschnitt halt auch vorbei.

00:19:59: Sprecher 2 Und wie das dann so ist, jedes Mal, wenn ein Abschnitt vorbei ist, dann wissen wir das Halt auch. Dann wird früher oder später halt auch der nächste Abschnitt beginnen und das ist manchmal gar nicht so einfach, damit umzugehen, weil wir dem alten dann im wahrsten Sinne des Wortes dann eben hinterher.

00:20:13: Sprecher 2 Frauen, aber wir sollten auch bei aller Trauer zumindest nach einer angemessenen Zeit offen sein für etwas Neues und für mich kommen wir dann zu dem zentralen Thema neben den Emotionen, nämlich zu den Sinnfragen. Für mich sind diese Trauersituation immer sehr stark mit Sinnfragen gekoppelt.

00:20:38: Sprecher 2 Das muss nicht immer eine hochspirituelle Auseinandersetzung sein, es kann auch manchmal einfach existen.

00:20:44: Sprecher 2 Auseinandersetzung, existenzielle Fragen sein, die dort hochkommen. Und auch da kann man ein guter Reflexionspartner sein, als Coach, zumindest potenziell.

00:20:55: Sprecher 2 Und sich mit den Fragen, die mit dem Thema Verlust zu tun haben, auseinandersetzen, gemeinsam auseinandersetzen und gemeinsam auch in all dem einen Sinn versuchen zu finden, der für die Trauererfahrung oder auch für die Trauerverarbeitung von ganz zentraler Bedeutung sein kann.

00:21:15: Sprecher 3 Ich will noch mal auf das Thema soziales Umfeld eingehen, was ich bei vielen auch erlebe. Die meisten meiner Klientinnen und Klienten sind ja in der Führungsrolle in der Führungsverantwortung, dass auch die Frage im Raum ist, wie gehe ich da eigentlich mit um, also mache ich meine Trauer oder den Grund meiner Trauer transparent, mache ich einen Schutzmantel drum, auch da das zu reflektieren, ich kann persönlich sagen, das, was ich bei den meisten Klientinnen.

00:21:41: Sprecher 3 Erlebe, dass die mittelfristig besser damit fahren, wenn die es öffnen, aber dann genau die Frage auch zu klären. Wie möchte ich eigentlich, dass mit mir in dieser Phase umgegangen wird, also so die banale Frage am Morgen, will ich eigentlich jeden Morgen hören und wie geht es dir heute oder hilft mir manchmal auch zu sagen und übrigens heute auf der Agenda steht folgendes.

00:22:06: Sprecher 3 Also manchmal hilft ja auch nicht immer wieder an den Grund der Trauer erinnert zu werden.

00:22:12: Sprecher 3 Und das andere erlebe ich auch. Das ist so, weil das das gerade mit dem Thema Zeit angemessene Zeit angesprochen und so aus meiner persönlichen Erfahrung, wir können nicht genau sagen, wie lange brauche ich eigentlich für Trauer, wir wissen so aus verschiedenen.

00:22:27: Sprecher 3 Modellen heraus ist n guter, nicht n guter, aber n funktionaler Trauerprozess sicherlich n Vierteljahr, manchmal n halbes Jahr.

00:22:36: Sprecher 3 Braucht manchmal auch ein Jahr und es gibt aber manchmal so die zynische Geschwindigkeit in einigen Organisationen, wo es heißt, komm jetzt hat er 2 Wochen getraut, jetzt ist aber auch mal wieder gut ne so und Trauer macht was mit uns genau das was christor du vorhin ausgeführt hast, eben zwischen Kult und Wegdrücken ist aus meiner Sicht genau die richtige Funktionshaltung.

00:23:00: Sprecher 3 Also wieviel Raum geb ich dem auch gerade wenn ich funktionieren muss und manchmal ist funktionieren müssen ein Segen stört es sehr, wenn wir Menschen sehr nah sind, beruflich sehr nah sind, wenn die immer wieder in mich eindringen und sagen Mensch kann mir gut vorstellen wie es dir geht und als Code würde ich sagen nee kannst du nicht, ich kann nur da sein.

00:23:23: Sprecher 3 Und mir fällt auch auf, dass Menschen, die nicht so gewohnt sind, mit der Trauer anderer umzugehen, dass die dazu neigen, mehr zu reden. Und ich würde dafür votieren, teilweise mehr da zu sein und einfach Nähe zuzulassen, ohne Worte.

00:23:41: Sprecher 2 Ja, und zum Schluss sollten wir natürlich auch auf ein Thema eingehen. Was ist, wenn Coaching nicht?

00:23:47: Sprecher 2 Leicht, und das kann passieren, dass einfach die Trauer zu stark ist, dass vielleicht auch noch andere Themen über die Trauer durch die Trauer hochkommen und man dann merkt, als Klient. Das Coaching hilft mir, aber das reicht nicht.

00:24:02: Sprecher 2 Ich brauch hier zusätzliche professionelle Hilfe wie zum Beispiel ne Therapie oder eben ne entsprechende Beratung von der Fachberatungsstelle.

00:24:12: Sprecher 2 Hier kann man als Coach dann natürlich wieder eine Brücke bilden. Muss man auch meiner Meinung nach also die Klienten nicht im Regen stehen lassen, sondern zu helfen, wo sie eine angemessene, zum Beispiel therapeutische Unterstützung bekommen können, um damit noch professioneller umzugehen, als das eben in dem Coaching Halt der Fall ist?

00:24:32: Sprecher 2 Uns, wenn es eben wie gesagt zu tief eingeht, wenn man merkt, OK, hier kommt jemand, vielleicht sogar ein Stück weit aus der Selbststeuerungsfähigkeit halt da raus und das Coaching hat ne gewisse Zeit lang stabilisiert, funktioniert jetzt aber nicht mehr und jemand möchte gerne und braucht auch den nächsten Schritt auch davon letzten Endes keine Angst zu haben, weil wie gesagt, Trauer gehört zum Leben mit dazu, ist ein ganz normaler Prozess, aber jeder entzündet ist individuell und manchen hilft es, dass mit sich selbst auszumachen, ohne dass sie es verdrängen.

00:25:03: Sprecher 2 Manche verdrängen es, kriegen es dann halt an einer anderen Stelle wieder, manche bearbeiten es mit guten Freunden, manche gehen zu ihrem Coach.

00:25:10: Sprecher 2 Manche brauchen aber eben auch eine therapeutische Unterstützung. Und da gibt es keinen Fest vorgefertigten Weg, sondern das ist was sehr individuelles, da geht es um sehr spezifische Bedürfnisse rund um den Trauerprozess, da würde ich nicht sagen, das funktioniert immer, und das muss man so und so machen, sondern man muss da sein, man muss, glaube ich, sehr feine Antennen haben, man sollte sehr feine Antennen haben, um da die richtige Herangehensweise auswählen zu können, und dann hat man halt auch eine.

00:25:38: Sprecher 2 Chance und Glaube für die Klienten ein guter Begleiter, eine gute Begleiterin zu sein und dann eben, wie gesagt, zu merken, wenn man das nicht mehr ist, wenn es die eigene Kompetenzgrenzen überschreitet, ist da halt wichtig und dann halt eine Brückenfunktion bilden. Ja, das war es für heute mit diesem Glaube ich eher anspruchsvollen Thema Trauer.

00:26:01: Sprecher 2 Ich hoffe, das war für alle Zuhörerinnen und Zuhörer interessant und ich würde mich freuen, wenn sie uns gewogen bleiben und auch beim nächsten Podcast wieder mit dabei sind. Bis dahin sage ich Tschüss und auf Wiederhören.

00:26:14: Sprecher 3 Ja, vielen Dank und erstmal eine ganz, ganz gute Zeit ihnen allen bis zum nächsten.

00:26:22: Sprecher 1 Sie hätten den Podcast Business Coaching and More, wenn es Ihnen gefallen hat und sie die kommende Ausgabe nicht versäumen möchten, abonnieren Sie bitte den Podcast auf Wiederhören.

00:26:34: Was?

Über diesen Podcast

"Business-Coaching and more" von Dr. Christopher Rauen und Andreas Steinhübel richtet sich an professionelle Coaches und Coaching-Interessierte. Die beiden Diplom-Psychologen, die seit über 25 Jahren als Business-Coaches tätig sind und gemeinsam seit 2002 eine Ausbildung zum Business-Coach leiten, wollen mit dem Podcast ihre Erfahrungen rund um Coaching teilen, dabei aber auch über den Tellerrand hinausblicken und aktuelle Themen aufgreifen.

Der Podcast erscheint monatlich.

von und mit Dr. Christopher Rauen & Andreas Steinhübel

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